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07.01.2020

Der Jahresstart und die „guten Vorsätze”

Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt schon so einige Jahreswechsel hinter mich gebracht habe oder einfach daran, dass ich zu oft erlebt habe, dass ich meine guten Vorsätze sowieso nicht lange durchgehalten habe….doch ich bin in das Jahr 2020 ohne bewusste „gute Vorsätze“ gestartet. Das Gute daran: Ich kann mich nicht selber enttäuschen, denn ich kann sicher sein, dass ich dieses Jahr nicht „scheitere“. Clevere Strategie, oder?

Aber was bedeutet denn ein neues Jahr eigentlich für uns? 

Privat? Wir verschreiben uns anfangs beim Datum, wissen, dass wir wieder ein Jahr älter werden und ansonsten…..genau. Eigentlich nix, eigentlich alles wie immer.

Beruflich? In meinen Jahren im Vertrieb ging immer das „große Rennen“ wieder von vorne los. (Wobei, meist ja schon im Dezember, denn man hatte sich bereits die ersten Verträge für den Januar schon bereit gelegt, denn wer das Jahr gut startet, der hat erstmal Ruhe vorm Vertriebschef.)

Doch war es nicht oft besonders zum Jahresanfang frustrierend, dass die Arbeit der vergangenen 12 Monate einfach nichts mehr wert war? Schlagartig stand man wieder bei null und musste wieder losrennen. Und natürlich jedes Jahr höher, schneller und weiter.

Vielleicht hatte ich auch immer Pech, vielleicht hatte ich immer die falschen Führungskräfte oder auch einfach selber meinen Focus falsch gesetzt, doch spätestens Anfang Dezember drehte sich bereits alles um das kommende Jahr. Wenn man Glück hatte, bekam man noch im Frühjahr ein freundliches Wort (und einen Scheck) aber das war es auch schon. Spätestens am 02.01. jeden Jahres ging das Hamsterrad wieder von vorne los. Und natürlich gab es „gute Vorsätze“. Sie wurden nur mit einem anderen Begriff beschrieben. Bei uns waren die guten Vorsätze… „Ziele“. 
Nicht wir haben sie uns vorgenommen, sondern sie wurden uns vorgestellt, vorgesetzt, vorgeschrieben. Vielleicht hat auch deshalb meine Freude auf den Start eines neuen Jahres so abgenommen, raubte uns die Silvesterraketen doch den Erfolg der letzten Monate. Wie Chinaböller explodierten sie und hinterliessen nichts als den Anspruch, das nächste Jahr noch erfolgreicher zu sein. 

Natürlich habe ich als Führungskraft daraus gelernt und alles besser gemacht. Alles! Alles? Natürlich nicht. Denn auch als Führungskraft hat man spätestens mit dem Vorstand oder Geschäftsführer jemanden, der in der Regel auch die Jahresergebnisse im Fokus hat. Aber das ist ja gerade die Aufgabe als Führungskraft, als Stoßdämpfer zwischen Geschäftsführung und Mitarbeiter zu fungieren und seinen Mitarbeitern nicht (!) das Gefühl zu geben, dass plötzlich alle Leistungen des Jahres nichts mehr wert sind, nur weil man ein Kalenderblatt umgedreht hat. Es liegt ja an der Führungskraft, ob eine Leistung dieses Jahr nun schlecht ist, weil sie im Jahresvergleich vielleicht unter dem Wert des Vorjahres liegt, oder ob das Vorjahr einfach mal ein außergewöhnlich gutes Jahr war. So kann auch im Rückblick noch gelobt werden und den Mitarbeitern klar gemacht werden, dass die Leistungen der letzten Jahre sehr wohl noch gesehen werden. Doch gehen wir doch einfach mal weg von Zahlen und Zielen.

Ist es nicht eine originäre Führungsaufgabe, die Mitarbeiter nicht wieder „bei null“ anfangen zu lassen? Liegt es nicht an den Führungskräften, wie tief man als Mitarbeiter zum Jahresanfang fällt und wie sehr man das Gefühl hat, wieder einen nahezu unüberwindlichen (zur Erinnerung: fordernd und fördernd) Berg (Ziele) vor sich zu haben?

Daher mein Appell an dieser Stelle an alle Führungskräfte für zumindest einen guten Vorsatz: Nutzen Sie gerade die Mitarbeitergespräche zum Jahresanfang und sprechen Sie nicht über die Zahlen und Ziele. Ist es nicht viel schöner, sich einmal mit den anderen Dingen unter vier Augen auseinander zu setzen? Ist das Schenken von Zeit nicht eine ungemeine Wertschätzung?

Was lief im letzten Jahr gut? Was lief nicht so gut? Im Team? Im Unternehmen? Oder vielleicht sogar privat?
Was soll dieses Jahr im Fokus stehen? Nicht vertrieblich sondern möglicherweise in der Qualität, in der Weiterbildung, in der „work-life-balance“? Wo wünschen sich unsere Mitarbeiter echte Rückendeckung und Unterstützung von uns als Führungskräften? Welche Fehler haben vielleicht auch wir im letzten Jahr gemacht? Was war denn so richtig gut?
Geschätzte Führungskräfte, bitte nutzen Sie den Jahresanfang und überraschen Sie Ihre Mitarbeiter und gehen Sie voran, in dem Sie etwas ausprobieren. Zeigen Sie echtes Interesse an Ihren Mitarbeitern und vergessen Sie doch einfach mal für einen Moment die Ziele. Starten Sie in das erste Mitarbeitergespräch des Jahres und nehmen Sie die Zahlen und Ziele gar nicht mit.
 Gerade, wenn Sie mit den unterschiedlichsten Altersklassen im Team zu tun haben, werden Sie merken, dass Sie auch ganz unterschiedliche Reaktionen erhalten werden. Ein Mitarbeiter, mit dem Sie bereits 25 Jahre immer und immer wieder zum Jahresanfang über die Ziele gesprochen  haben, wird vielleicht überraschter sein als ein frisch ausgelernter Kollege, der endlich das bekommt, was er sich ersehnt. Ein Führungskraft, die unterstützt, die fördert, die das „große Ganze“ sieht. 

Wer weiß, ob die Ziele gerade zum Jahresanfang dann trotzdem wie von selbst in die Bücher kommen, denn es hält sich ja das hartnäckige Gerücht, das zufriedene Mitarbeiter auch leistungsfähiger sind. 

Ich wünsche viel Erfolg beim etwas anderen Jahresstart 2020!

Admin - 12:36:34 | Kommentar hinzufügen

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