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03.08.2020

Selbstorganisation im Homeoffice - neue Strukturen braucht das Land

Was ist das schön. Morgens beim ersten Kaffee einfach mal den Rechner hochfahren und die Mails checken. Dabei noch im Schlafanzug schauen, welche Meetings und Termine heute anstehen. Ist mal wieder nichts überraschendes dazu gekommen, denn schließlich habe ich ja gestern Abend kurz vor dem Schlafengehen die Mails  gecheckt. Und zwischen 23:00 und morgens um 07:15 kommt selten noch was Neues rein, es sei denn, die Kollegen aus Übersee haben Sehnsucht. Aber die kämpfen zur Zeit ja stärker mit dem Virus als wir. Dort läuft es ja scheinbar noch viel schlechter als bei uns. Gut also, dass man hier in Deutschland ist und dass das Homeoffice sich einfach in den letzten Wochen etabliert hat.

Sie haben uns ja geradezu gezwungen zu Hause zu bleiben. Gut, am Ende hätte es eh darauf hinaus laufen müssen, als sie die Schulen und Kindergärten zu gemacht haben. Mein Mann arbeitet ja in einem „systemrelevanten“ Beruf und muss daher weiter zur Arbeit. Nur eine Kinderbetreuung gab es dann doch nicht so schnell bei uns in der Nähe.

Daher nur kurz die Mails checken und den Kaffee zur Hälfte austrinken, dann heißt es Kinder wecken und Frühstück machen. Um 09:00 Uhr steht die erste Videokonferenz an. Bis dahin muss ich die Kinder irgendwie mit Arbeitsaufträgen versehen haben. Oder sie gucken halt wieder Netflix auf dem Tablet. Das Wohnzimmer brauche ich ja für die Konferenz. So ganz ohne Schreibtisch ist das mit dem Homeoffice irgendwie doch doof. Aber wir waren schon froh, überhaupt eine bezahlbare 4-Zimmer Wohnung gefunden zu haben, so dass die beiden Kinder je ein eigenes Kinderzimmer haben. Das Schlafzimmer ist viel zu eng, um dort noch zu sitzen. Außerdem hängt dort die Wäsche. Das wollen meine Kollegen ganz sicher nicht von mir sehen.
Ach ja, die Waschmaschine muss ich nachher auch noch an machen und zwischendurch vielleicht mal die Wäsche zusammen legen. Das ist gestern auch liegen geblieben, weil ich endlich mal ungestört arbeiten konnte, nachdem mein Mann endlich zu Hause war. Da gab es halt noch etwas, was dringend fertig gestellt werden musste. Das verstehen Kinder halt nicht. Sie sehen nur „Mama ist zu Hause“ und dementsprechend kommen sie ständig und fragen etwas. Oder sie haben einfach Hunger oder Langeweile.

Es ist schon Glück, dass sie bei den Videokonferenzen nicht durchs Bild laufen. Anfangs habe ich die Tür zum Wohnzimmer abgeschlossen doch dann haben sie lautstark gerufen und dagegen gehämmert, so dass die Kollegen schon die Feuerwehr rufen wollten, weil sie dachten, hier wäre ein Notfall eingetreten oder die Polizei, weil sie dachten, ich würde hier jemand gegen seinen Willen gefangen halten. Dabei soll man dann noch positiv und fokussiert den Themen der Konferenzen folgen und konzentriert wirken. Ich weiß schon, warum ich mir meistens nur ein angemessenes Oberteil anziehe und ansonsten im Schlabberlook bleibe.
Doch auch das hat seine Nachteile. Es fehlt irgendwie dieses „sich auf die Arbeit einstellen“, das „sich arbeitsfertig machen“. Optisch und vom Kopf her. Auch das Pendeln zur Arbeit fehlt mir irgendwie. So konnte ich mich morgens in den „Arbeitsmodus“ bringen und auf dem Rückweg „Runterfahren“ und dann entspannt zu Hause ankommen. Jetzt klappt man nur den Laptop auf und soll sich sofort im Arbeitsmodus befinden. Oder man klappt ihn zu und ist sofort im Feierabend. Das klappt bei mir nicht wirklich. Da nehme ich viel mit in den Feierabend….

Und auch tagsüber merke ich, dass ich nebenbei noch tausend Dinge erledige. Mal eben die Waschmaschine anmachen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen, mal schnell zum Mittagessen einkaufen gehen und natürlich für die Bande „mal schnell was kochen“. Und ständig wird man aus seinem Arbeitsrhythmus gerissen, muss sich wieder neu auf seine Arbeit einstellen und überlegen, wo man eigentlich gerade dran war. Und das alles am Esstisch, so dass der Arbeitsplatz regelmäßig aussieht, wie die Kantine nach einer Betriebsfeier. Vorher heißt es „Laptop zuklappen und alle Unterlagen einfach auf einen Stapel zur Seite räumen“ und Platz schaffen für das Essen. Und schwupp, danach geht es weiter. Ach ja, und dann das Homeschooling nebenbei. Da ist es ja angenehmer, einen frischen Azubis neben sich sitzen zu haben. Der merkt wenigstens spätestens nach der zwölften Frage, dass er nervt und hält den Mund. Aber die eigenen Kinder?

Mir fehlt geradezu der Kontakt zu „erwachsenen“ Kollegen. Wenn ich einmal nicht weiter weiß oder mal einfach Frust ablassen will, sind ja nur die Kinder da. Kein Schnack am Kaffeeautomaten, keine spontane Mittagspause beim Chinesen gegenüber. Stattdessen eine Videokonferenz mit der Kollegin, in der das „Lästern“ sich gar nicht so richtig „richtig“ anfühlt und auch nicht so leicht von der Hand geht. Worüber auch? Man sieht ja kein Kollegen….

Ich habe das Gefühl, dass ich noch mehr die Sachen aufschiebe, zu denen ich sowieso wenig Lust habe. Im Büro habe ich sie wenigstens meist am Freitag erledigt, damit ich beruhigt ins Wochenende gehen konnte. Jetzt im Homeoffice bleiben die Sachen gerne mal auch übers Wochenende liegen und schauen mich dann auch am Samstag und Sonntag höhnisch an. Und oftmals setze ich mich dann am Sonntag hin und erledige sie, damit ich sie nicht mit in die nächste Arbeitswoche nehme. Auch das sorgt dafür, dass das Wochenende bereits am Sonntag endet. Und dann erhalte ich natürlich auch entsprechende Kommentare von meinem Chef zum Thema „Sonntagsarbeit“…

Homeoffice bedeutet sich neu zu strukturieren, bedeutet ein unglaublich großes Maß an Selbstdisziplin und das Verständnis aller, mit denen man zusammen wohnt. Spätestens mit Kindern im Haushalt wird Homeoffice zu einer Herausforderung, die nicht jeder Arbeitnehmer meistern wird.
Doch jeder Arbeitgeber kann Hilfestellungen liefern, kann beim Aufbau von täglichen Arbeitsroutinen helfen, kann seine Arbeitnehmer nicht nur technisch unterstützen. Ich denke sogar, dass jeder Arbeitgeber seine Mitarbeiter unterstützen muss, damit die Gesundheit und die Belastung durch die Tätigkeit im Homeoffice nicht dafür sorgt, dass am Ende Baustellen entstehen, mit denen man nicht gerechnet hat. Gleichzeitig gilt es eine Strategie zu entwickeln, die der Vereinsamung entgegen wirkt und die dafür sorgt, dass die positive Wirkung von Zusammen(!)Arbeit nicht verpufft. Wie viele gute Ideen sind in den Betrieben in der Kantine oder beim Kaffeeholen oder sogar bei der Raucherpause entstanden. Damit dies nicht komplett weg bricht, gilt es eine sinnvolle Strategie zu entwickeln.

Dafür steht mein Angebot „Der Wegbegleiter im Homeoffice“. Nur ein Click entfernt.

Admin - 14:21:40 | Kommentar hinzufügen

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